
Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt oder Ihre Ärztin verschreibt Ihnen eine App – nicht irgendeine, sondern eine, die Ihnen gezielt bei Ihrer Erkrankung hilft. Klingt ungewohnt? Ist es aber gar nicht! Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs, sind genau das: Apps auf Rezept. Sie können Menschen mit chronischen Erkrankungen, psychischen Belastungen oder nach einer OP unterstützen – und das Beste daran? Die Krankenkasse kann die Kosten übernehmen.
Aber wie funktioniert das genau? In diesem Artikel schauen wir uns das mal genauer an, zeigen ein paar Beispiele und erklären, worauf man achten sollte.
Was genau sind DiGAs?
DiGAs – das klingt erstmal kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach: Es handelt sich um digitale Anwendungen, also Apps oder Web-Anwendungen, die gesundheitliche Beschwerden lindern oder Patient*innen im Alltag unterstützen können. Man könnte sagen, sie sind eine Erweiterung der klassischen medizinischen Versorgung – nur digital.
Aber Achtung: Nicht jede Gesundheits-App ist automatisch eine DiGA! Es gibt tausende Apps, die Schritte zählen oder Meditationen anbieten, aber das macht sie noch nicht zu einer offiziell anerkannten Gesundheitsanwendung. Damit eine App als DiGA gilt, muss sie bestimmte Kriterien erfüllen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft sie auf medizinische Wirksamkeit, Datenschutz und viele andere Kriterien. Erst dann landet sie im offiziellen DiGA-Verzeichnis.
DiGAs sind digitale Gesundheitsanwendungen, die als medizinisches Produkt anerkannt sind und von Ärzt*innen verschrieben werden können. Sie durchlaufen eine Prüfung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und müssen nachweislich wirksam sein.
Wofür gibt es DiGAs?
Digitale Gesundheitsanwendungen werden für ganz unterschiedliche gesundheitliche Anliegen entwickelt. Einige unterstützen Menschen mit chronischen Erkrankungen, andere begleiten bei psychischen Belastungen oder helfen nach einer Operation bei der Genesung. Die Bandbreite wächst stetig – und mit ihr die Möglichkeiten für Patientinnen und Patienten.
Hier einige typische Einsatzfelder – jeweils mit einer App aus dem offiziellen DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):
- Psychische Gesundheit: DiGAs wie HelloBetter Stress und Burnout bieten therapeutisch fundierte Übungen gegen Überlastung und zur Vorbeugung von Burnout. Auch digitale Tagebücher oder Achtsamkeitstrainings sind Teil des Angebots.
- Chronische Erkrankungen: Bei Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes unterstützen DiGAs dabei, den Überblick über Werte und Therapieziele zu behalten. Die App Oviva Direkt für Adipositas richtet sich z. B. an Menschen mit starkem Übergewicht und begleitet sie bei der Ernährungsumstellung.
- Hörstörungen: Die App Kalmeda hilft Menschen mit Tinnitus, störende Ohrgeräusche durch gezieltes Training besser zu bewältigen – ganz ohne Medikamente.
Alle zugelassenen DiGAs sind im offiziellen DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet. Dort gibt es eine Übersicht über alle erstattungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendungen. Die offizielle Liste finden Sie hier.
Wie bekommt man eine DiGA?
Wer eine DiGA nutzen möchte, kann sie von der Ärztin oder dem Arzt verschrieben bekommen – ähnlich wie ein Medikament. Danach reicht man das Rezept bei der Krankenkasse ein und bekommt nach der Genehmigung einen Freischaltcode, um die App kostenlos zu nutzen.
Chancen und Herausforderungen von DiGAs
Vorteile:
- Flexibilität: DiGAs ermöglichen eine orts- und zeitunabhängige Nutzung, was insbesondere für Menschen in ländlichen Regionen oder mit eingeschränkter Mobilität von Vorteil ist.
- Personalisierung: Viele Anwendungen bieten individuell angepasste Programme, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer eingehen.
Nachteile:
- Unzureichende Evidenzlage: Einige DiGAs wurden vorläufig zugelassen, ohne dass ein positiver Versorgungseffekt nachgewiesen wurde. Kritiker bemängeln, dass über die Hälfte der im DiGA-Verzeichnis gelisteten Anwendungen lediglich zur Erprobung aufgenommen wurden und somit den Beweis für einen positiven Versorgungseffekt schuldig bleiben.
- Hohe Kosten: Die Preisgestaltung einiger DiGAs wird als unangemessen hoch kritisiert. Der GKV-Spitzenverband bemängelt, dass die aktuellen Rahmenbedingungen und der Bewertungsprozess für DiGAs ein Update benötigen.
- Datenschutzbedenken: Die Speicherung und Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten in digitalen Anwendungen wirft Fragen zum Datenschutz und zur Datensicherheit auf.
Fazit: Kritische Abwägung erforderlich
Digitale Gesundheitsanwendungen bieten zweifellos innovative Ansätze zur Unterstützung von Patientinnen und Patienten. Sie bieten eine einfache Möglichkeit, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, ohne lange auf einen Arzttermin warten zu müssen.
Dennoch ist eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Wirksamkeit, den Kosten und dem Datenschutz unerlässlich. Vor der Nutzung einer DiGA sollten Nutzerinnen und Nutzer sorgfältig prüfen, ob die Anwendung ihren individuellen Bedürfnissen entspricht und ob ein nachgewiesener Nutzen besteht.
Verwendete und weiterführende Quellen zum Thema DiGAs
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
Digitale Gesundheitsanwendungen – Apps auf Rezept
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/online-ratgeber-krankenversicherung/arznei-heil-und-hilfsmittel/digitale-gesundheitsanwendungen.html - gesund.bund.de
Digitale Gesundheitsanwendungen – DiGA einfach erklärt
https://gesund.bund.de/digitale-gesundheitsanwendungen-diga - DiGA-Verzeichnis des BfArM
Offizielle Liste der zugelassenen DiGAs
https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis - Fraunhofer IESE
Digitale Gesundheitsanwendungen – ein Zwischenfazit
https://www.iese.fraunhofer.de/blog/digitale-gesundheitsanwendungen-zwischenfazit/ - GKV-Spitzenverband
Fokus Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/fokus/fokus_diga.jsp - Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ)
Wie belastbar sind Studien der aktuell dauerhaft aufgenommenen Digitalen Gesundheitsanwendungen?
https://www.zefq-journal.com/article/S1865-9217(22)00176-3/fulltext - Spiegel Online
Die meisten Gesundheits-Apps sind für Patienten nutzlos
https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/digitale-gesundheitsanwendungen-die-meisten-gesundheits-apps-sind-fuer-patienten-nutzlos-a-b41c2791-094a-4240-9166-95189f969895 - Medical Tribune
Digitale Gesundheitsanwendungen: Erreichung einer überzeugenden Evidenz
https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/digitale-gesundheitsanwendungen-erreichung-einer-ueberzeugenden-evidenz